VG Augsburg | 29.05.2013 | Zitat

Zitattext

1
[35]
Auch wenn im Rahmen der geschilderten Tätigkeiten die Filialfahrten möglicherweise auch deswegen problematischer erscheinen, da die Zielorte – im Gegensatz zu den spontan stattfindenden Kundenbesuchen – praktisch immer feststehen und alternative Fahrtrouten begrenzt sind (vgl. OVG RP, U.v. 30.8.1978 – 2 A 85/87 – GewArch 1978, 398), ist auch insoweit die abschreckende Wirkung einer Waffe fraglich und sind dem Kläger auch unter Berücksichtigung des Gesichtspunktes, dass Recht dem Unrecht nicht zu weichen braucht, Verhaltensänderungen zur Reduzierung der Gefahrenlage zumutbar (vgl. VG München, U.v. 10.10.2012 – M 7 K 11.5612 – unveröffentlicht; OVG RP, U.v. 25.3.2004 – 12 A 11775/03.OVG – juris Rn. 30). Dies gilt erst recht, soweit gerade im Rahmen der Filialtransporte zu in der Fußgängerzone gelegenen Ladengeschäften eine gesteigerte Rücksichtnahme auf unbeteiligte Dritte erforderlich ist und insoweit auch – kostenpflichtige – professionelle ...

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VG Augsburg | 00 A 00.000 | 29.05.2013

VG München | M 7 K 11.5612 | 10.10.2012

[ECLI:DE:VGMUENC:2012:1010.M7K11.5612.0A]

LDJR 2012, 1749

V o r s p a n n

In der Verwaltungsstreitsache

- Kläger -

g e g e n

Freistaat Bayern [...],

- Beklagter -

w e g e n

Waffenscheins

erlässt das Bayerische Verwaltungsgericht München, 7. Kammer, [...] aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 10. Oktober 2012 am 10. Oktober 2012 folgendes Urteil:

T e n o r

I. Die Klage wird abgewiesen.

II. Der Kläger hat die Kosten des Verfahrens zu tragen.

III. Die Kostenentscheidung ist vorläufig vollstreckbar. Der Kläger darf die Vollstreckung durch Sicherheitsleistung oder Hinterlegung in Höhe des vollstreckbaren Betrages abwenden, wenn nicht der Beklagte vorher Sicherheit in gleicher Höhe leistet.

T a t b e s t a n d

[1]
Der Kläger ist Inhaber der Münchner Schmuck- und Uhrenbörse und begehrt wegen seiner beruflichen Tätigkeit die Neuerteilung eines Waffenscheins, der ihm erstmals im Jahre 1973 erteilt und danach mehrmals, zuletzt bis zum 7. März 2011, verlängert bzw. neu erteilt worden war.
[2]
Am 24. April 2011 beantragte der Kläger erneut die Erteilung eines Waffenscheins und führte mit Schreiben vom 14. Mai 2011 dazu aus, er sei als Inhaber der Firma [...] mehr als die Allgemeinheit gefährdet. In den letzten beiden Ausstrahlungen der Fernsehsendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ sei von sechs Überfällen auf Juweliere berichtet worden. Europaweit werde nahezu täglich ein Überfall auf Juweliere begangen. Die Kriminalpolizei Hannover habe 2009 einen PC sichergestellt, auf dem sich detaillierte Pläne zu einer Beraubung des Klägers vorgefunden hätten. Er biete auf Internetplattformen Waren bis zu einem Wert von ca. 1,5 Mio EUR an und führe bei Vorlagen und Ausstellungen Waren im Wert bis zu 750.000,- EUR, Einzelpositionen im Wert bis zu 100.000,- EUR und Bargeld bis zu 500.000,- EUR mit sich.
[3]
Eine Gefährdungsanalyse des Bayerischen Landeskriminalamtes vom 2. Mai 2011 ergab, dass die Geschäftstätigkeit des Klägers zwar eine erhöhte abstrakte Gefahr mit sich bringe, dieser jedoch durch technische und organisatorische Maßnahmen begegnet werden könne. Seine persönliche Sicherheit könne durch Einbau entsprechender Sicherungsanlagen sowie den Einsatz zertifizierter Werttransportunternehmen deutlich mehr erhöht werden als durch das Mitführen einer Schusswaffe.
[4]
Daraufhin lehnte das Landratsamt [...] (im Folgenden: Landratsamt) die Erteilung eines Waffenscheins nach Anhörung mit Bescheid vom 11. November 2011 gestützt auf § 4 Abs. 1 Nr. 4, § 8 Nr. 1, § 19 WaffG wegen Fehlens des waffenrechtlichen Bedürfnisses ab. In den Gründen wurde ausgeführt, eine polizeiliche Überprüfung der persönlichen Gefährdung des Klägers habe ergeben, dass er zwar abstrakt gefährdet sei, nicht aber konkret über das allgemeine Maß hinaus. Ferner sei bei Annahme einer konkreten Gefährdung kritisch zu beurteilen, ob das Mitführen einer Schusswaffe bei typischen Überraschungsangriffen zur Selbstverteidigung geeignet wäre. Besser geeignet zur Verhinderung etwaiger Überfälle oder zum Eingreifen in das laufende Geschehen wären eine Alarmanlage mit verschiedenen Auslösemodi, ein zertifiziertes Werttransportunternehmen oder ein professioneller Sicherheitsdienst. Dass dem Kläger in der Vergangenheit ein Waffenschein erteilt worden sei, heute aber versagt werde, liege an der veränderten Rechtslage und strengeren Vollzugsrichtlinien des Bayerischen Staatsministeriums des Innern. Die Waffenbehörde dürfe insbesondere nicht mehr selbst die Gefährdungslage einschätzen, sondern müsse das Bayerische Landeskriminalamt beteiligen.
[5]
Gegen den am 15. November 2011 zugestellten Bescheid ließ der Kläger durch seinen Bevollmächtigten mit am selben Tag eingegangenem Schriftsatz vom 21. November 2011 Klage erheben und gestützt auf sein Vorbringen im Verwaltungsverfahren beantragen, den Bescheid des Landratsamtes [...] vom 11. November 2011 aufzuheben und dem Kläger einen Waffenschein zur Führung von Schusswaffen zu erteilen.
[6]
Zur Begründung wurde auf die Warnungen des Internationalen Juwelierwarndienstes Bezug genommen und vorgetragen, der Kläger führe anders als die meisten anderen Juweliere selbst Werttransporte durch und zwar mit Vermögenswerten von mehreren hunderttausend Euro. Er transportiere Schmuck und Uhren zu entsprechenden Börsen und Bargelderlöse auf die Bank und kaufe auch bei Kunden zuhause Ware an.
[7]
Es bestehe eine Überfallgefahr. Entsprechende Straftäter, insbesondere Banden, spionierten ihre Opfer vorher aus und bereiteten einen Überfall sorgfältig vor. Der Kläger wohne auf einem einsamen Einzelgehöft. Er sei im Umgang mit Schusswaffen extrem erfahren, habe eine Jagd, sei Mitglied in Schützenvereinen und habe mehrere Sportschützen-Meisterschaftstitel erworben. Er sei in der Lage, eine Schusswaffe jederzeit mit der zur Selbstverteidigung erforderlichen Zügigkeit in Anschlag zu bringen.
[8]
Die Schusswaffe sei geeignet, einen Räuber im Ernstfall außer Gefecht zu setzen.
[9]
Auf die Beauftragung eines Werttransportunternehmens oder eines Sicherheitsdienstes könne der Kläger schon aus Kostengründen nicht verwiesen werden, zumal auch deren Mitarbeiter Schusswaffen führten. Es müsse dem Kläger gestattet sein, wie bisher selbst für seinen Schutz zu sorgen. Die Gefährdungslage habe sich tendenziell eher verschlechtert. Außerdem steige die Personengefahr, insbesondere für Schlüsselträger, mit der besseren Absicherung der Räume, in denen Wertsachen aufbewahrt würden. Die Schmuck- und Uhrenbranche werde neben Pfandleihhäusern in die höchste Versicherungsstufe eingestuft. Mit Schreiben vom 2. Oktober 2012 wurden weitere Unterlagen und Nachweise zur Untermauerung der persönlichen Gefährdung des Klägers vorgelegt.
[10]
Das Landratsamt beantragte mit Schreiben vom 1. Januar 2012 unter Bezug auf die Bescheidsgründe und den Akteninhalt, die Klage abzuweisen.
[11]
In der mündlichen Verhandlung am 10. Oktober 2012 führte der Kläger aus, seine Geschäftstätigkeit erstrecke sich auf ganz Deutschland. Ca. zweimal pro Woche suche er Kunden außerhalb des Münchner Großraums auf. Dabei führe er Warenwerte zwischen 5.000,- und 500.000 EUR mit sich. Besonders gefährdet sei er auf den Wegen von seinem Ladengeschäft bzw. Wohnanwesen zum Kunden. Er nehme die Ware mit nach Hause, wenn er besonders früh am nächsten Morgen aufbrechen müsse. Etwa zwölfmal pro Jahr besuche er Schmuck- und Uhrenbörsen in Deutschland oder Österreich, wobei er insgesamt Ware im Wert von etwa einer Million Euro mit sich führe. Ein Werttransport zum Besuch einer Schmuck- und Uhrenbörse würde etwa 2.000,- EUR kosten. Zur Gefährdung von Juwelieren im Allgemeinen und konkret des Klägers wurde ein anwesender sachverständiger Zeuge des Polizeipräsidiums München informatorisch gehört. Das Gericht gab bekannt, dass nach einer aktuellen Auskunft der Waffenbehörde der Landeshauptstadt München im Stadtbereich 579 Gewerbe angemeldet sind, die mit Gold- und Silberwaren, Uhren, Schmuck und/oder Edelsteinen handeln, und darunter zwei Gewerbetreibende einen Waffenschein besitzen.
[12]
Wegen der weiteren Einzelheiten wird gem. § 117 Abs. 3 VwGO auf die Gerichtsund Behördenakten Bezug genommen.

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OVG Koblenz | 12 A 11775/03.OVG | 25.03.2004

[ECLI:DE:OVGRLP:2004:0325.12A11775.03.OVG.0A]

LDJR 2004, 5028

L e i t s a t z

"

1. Die beigeladene Verbandgemeinde kann die für die Zulässigkeit ihrer Berufung erforderliche materielle Beschwer nicht daraus ableiten, dass das angefochtene Urteil die ihr ihren Beamten gegenüber obliegende Fürsorgepflicht nachteilig berührt (im Anschluss an OVG Rheinland-Pfalz, U. v. 13.12.2001, AS 29, 243). Sie kann jedoch geltend machen, in ihrer beamtenrechtlichen Direktionsbefugnis nachteilig berührt zu werden, wenn das angefochtene Urteil Einschränkungen bei den Einsatzmöglichkeiten ihrer Beamten zurFolge hat.

"

2. Ein Bedürfnis zum Führen einer Schusswaffe wegen überdurchschnittlicher Gefährdung durch Angriffe auf Leib oder Leben besteht nicht, wenn das Führen einer Schusswaffe zur Minderung der Gefährdung nicht erforderlich ist, weil Änderungen im Verhalten des Betroffenen sowie andere Schutzvorkehrungen durch Dritte zumutbar und geboten sind.

V o r s p a n n

In dem Verwaltungsrechtsstreit

- Kläger -

g e g e n

Waffenbehörde [...],

- Beklagte -

w e g e n

Verlängerung eines Waffenscheins

hat der 12. Senat des Oberverwaltungsgerichts Rheinland-Pfalz in Koblenz aufgrund der mündlichen Verhandlung vom 25. März 2004 [...] für Recht erkannt:

T e n o r

Die Berufung der Beigeladenen zu 2.) gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Neustadt an der Weinstraße vom 29. Juli 2003 - 5 K 566/03.NW - wird zurückgewiesen.

Die Beigeladene zu 2.) hat die Kosten des Berufungsverfahrens zu tragen mit Ausnahme der außergerichtlichen Kosten des Beigeladenen zu 1.), die dieser selbst trägt.

Das Urteil ist wegen der Kosten vorläufig vollstreckbar.

Die Revision wird nicht zugelassen.

T a t b e s t a n d

[1]
Die Beteiligten streiten um die Verlängerung eines Waffenscheins für den Beigeladenen zu 1.)
[2]
Der im Bereich des Beklagten wohnhafte Beigeladene zu 1.) ist als Beamter in der Sozialabteilung der Beigeladenen zu 2.) tätig. Er ist insbesondere für die Unterbringung und Betreuung der der Beigeladenen zu 2.) zugewiesenen Asylbewerber zuständig. Seit dem 1. Januar 2000 ist er außerdem mit 20 % seiner Arbeitskraft an den Landkreis Bad Dürkheim, in dem die Beigeladene zu 2.) gelegen ist, abgeordnet. Sein dortiges Aufgabengebiet umfasst nach der Stellenbeschreibung überwiegend komplizierte Fälle der Passbeschaffung für ausreisewillige Ausländer sowie die Organisation von deren anschließender Rückführung.
[3]
Am 15. August 1996 beantragte die Beigeladene zu 2.) bei dem Beklagten die Ausstellung eines Waffenscheins für den Beigeladenen zu 1.). Zur Begründung führte sie aus, seit längerer Zeit würden in Zusammenarbeit mit der Polizei und der Ausländerbehörde Ermittlungen gegen zahlreiche Asylbewerber wegen des Verdachts von Straftaten durchgeführt; dabei arbeite der Beigeladene zu 1.) eng mit diesen Behörden zusammen. Seit im Juli 1996 Asylbewerberunterkünfte durchsucht, Beweismittel sicher gestellt, Strafverfahren eingeleitet und Personen in Abschiebehaft genommen worden seien, werde der Beigeladene zu 1.) durch Mitglieder des betroffenen, kosovoalbanischen Familienclans massiv bedroht.
[4]
Nach Einschätzung der Polizei seien die Drohungen sehr ernst zu nehmen. Da der Beigeladene zu 1.) fast immer allein, mitunter auch nachts, in den Unterkünften unterwegs sei, müsse ihm das Tragen einer Schusswaffe zum Eigenschutz ermöglicht werden.
[5]
Am 3. September 1996 stellte der Beklagte dem Beigeladenen zu 1.) einen Waffenschein aus, der ihn zum Führen einer Pistole Walther P 5 berechtigt. Auf Antrag der Beigeladenen zu 2.), der mit dem Fortbestehen der Gefährdungslage begründet wurde, verlängerte der Beklagte die Gültigkeit des Waffenscheins bis zum 3. September 2002.
[6]
Zur Überprüfung des Nachweises des waffenrechtlichen Bedürfnisses holte die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier (im folgenden: ADD) eine Stellungnahme der Polizeiinspektion Grünstadt zur aktuellen Gefährdung des Beigeladenen zu 1.) ein. Die Polizeiinspektion teilte am 30. August 2000 mit, der Beigeladene zu 1.) sei konkret an Leib und Leben gefährdet: Im Rahmen seiner Aufgaben zur Betreuung von Asylbewerbern und zur Durchführung von Abschiebungen habe er seit 1995 immer wieder neue Verdachtsmomente gegen Asylbewerber und andere Personen wegen Sozialhilfebetrugs und anderer Straftaten vorbringen können; bei den anschließenden Ermittlungen sei er stets als Zeuge und Mitteiler eingebunden. Seit etwa 1996 sei bekannt, dass der Beigeladene zu 1.) von diesem Täterkreis oder durch von diesem bestimmte Personen liquidiert werden solle. Als „letzte Warnung“ sei eine ertränkte Katze auf die Türschwelle seines Hauses gelegt, an den Rädern seines Fahrzeugs sei manipuliert worden. Die Gefährdung dauere weiterhin an.
[7]
Das Landeskriminalamt teilte der ADD mit Schreiben vom 18. Januar 2001 mit, es gebe keine Erkenntnisse für eine Gefährdung des Personenkreises bzw. der Berufsgruppe, der der Beigeladene zu 1.) angehöre.
[8]
Am 22. März 2002 beantragte die Beigeladene zu 2.) bei dem Beklagten die erneute Verlängerung des dem Beigeladenen zu 1.) erteilten Waffenscheins. Zur Begründung wurde ausgeführt, der Beigeladene zu 1.) sei bei der Erfüllung seiner Dienstobliegenheiten nach wie vor wesentlich mehr als die Allgemeinheit durch Angriffe auf Leib und Leben gefährdet. Zu kritischen Situationen komme es vor allem bei Abschiebungen. Im Jahre 2001 sei der Beigeladene zu 1.) hierbei zweimal mit Messern angegriffen worden. Er sei auch dann einer erheblichen Gefahr für Leib und Leben ausgesetzt, wenn er in amtlicher Eigenschaft massive Auseinandersetzungen zwischen untergebrachten Personen schlichte. Solche Einsätze fänden überwiegend nachts statt, wobei der Beigeladene zu 1.) allein auf sich gestellt sei. Um beherzt auftreten zu können, brauche er das Bewusstsein, im Extremfall eine Waffe einsetzen zu können. Ein erhebliches Gefährdungspotential ergebe sich ferner aus den amtlichen Ermittlungen, die er in Zusammenarbeit mit der Polizei gegen im Gemeindegebiet untergebrachte Asylbewerber wegen des Verdachts des Sozialhilfebetrugs führe. In diesem Zusammenhang erhielten er und seine Familie ständig Drohanrufe mit der Ankündigung gewaltsamer Racheaktionen bis hin zur Morddrohung. Auch sein privates Wohngrundstück werde ausspioniert. Seine Gefährdungssituation sei die gleiche wie diejenige eines Waffen tragenden Polizeibeamten.
[9]
Mit Bescheid vom 2. Oktober 2002 lehnte der Beklagte den Antrag ab und führte aus, es fehle ein waffenrechtliches Bedürfnis, weil die Gefährdungssituation, die zur Erteilung des Waffenscheins geführt hatte, nicht mehr bestehe.
[10]
Auf den Widerspruch des Beigeladenen zu 1.), zu dessen Begründung auch Belege über Morddrohungen gegen ihn und seine Familie aus dem Oktober 2002 vorgelegt wurden, hob der Kreisrechtsausschuss des Beklagten mit Widerspruchsbescheid vom 11. Februar 2003 den Bescheid vom 2. Oktober 2002 auf und verpflichtete den Beklagten, dem Beigeladenen zu 1.) bei Vorlage der sonstigen waffenrechtlichen Voraussetzungen eine Erlaubnis zum Führen einer bestimmten Schusswaffe – beschränkt auf den Dienstgebrauch – zu erteilen. Zur Begründung wurde ausgeführt, der Beigeladene zu 1.) habe glaubhaft gemacht, wesentlich mehr als die Allgemeinheit durch Angriffe auf Leib und Leben gefährdet zu sein. Seine Tätigkeit gehe über das Betätigungsfeld eines kommunalen Vollzugsbeamten weit hinaus. Insbesondere bei nachts auftretenden Unruhen in Asylbewerberunterkünften könne er nicht jedes Mal vorher eine Polizeistreife anfordern, sondern müsse sich erst vor Ort ein Bild machen, ob die Hinzuziehung der Polizei notwendig sei. Dies gelte auch für seine Tätigkeit bei der Vorbereitung und Durchführung von Abschiebungen: Hier sei es seine Aufgabe, die abzuschiebende Person aufzuspüren und dingfest zu machen, bis die Polizei eintreffe; dabei unterliege er einer besonderen Gefährdung.
[11]
Auf die Aufsichtsklage der Klägerin hat das Verwaltungsgericht Neustadt an der Weinstraße den Widerspruchsbescheid vom 11. Februar 2003 durch Urteil vom 29. Juli 2003 aufgehoben. Zur Begründung hat es im Wesentlichen ausgeführt:
[12]
Der Widerspruchsbescheid sei rechtswidrig, weil es an einem waffenrechtlichen Bedürfnis für die begehrte erneute Verlängerung des Waffenscheins fehle. Das Führen einer Schusswaffe sei nicht erforderlich, weil andere geeignete Maßnahmen zur Verfügung stünden, um einer Gefährdung des Beigeladenen zu 1.) wirksam zu begegnen. Hierzu müsse man den Aufgabenbereich und die Arbeitsweise des Beigeladenen zu 1.) so verändern, dass unnötige Risiken vermieden würden. Der Beigeladene zu 1.) müsse sich innerhalb des Aufgabenbereichs halten, der ihm als kommunalem Beamten rechtlich zugewiesen sei.
[13]
Zur Begründung ihrer vom Oberverwaltungsgericht gegen dieses Urteil zugelassenen Berufung führt die Beigeladene zu 2.) aus: Sie werde durch das Urteil in zweifacher Hinsicht beschwert. Zum einen werde sie in ihrer beamtenrechtlichen Fürsorgepflicht gegenüber dem Beigeladenen zu 1.) beeinträchtigt, weil sie gehindert werde, den Beigeladenen zu 1.) in die Lage zu versetzen, sich in Gefahrensituationen selbst zu schützen. Zum anderen greife das Urteil in ihr beamtenrechtliches Direktionsrecht ein, den Dienstaufgabenbereich des Beigeladenen zu 1.) festzulegen und ihm in diesem Rahmen Dienstanweisungen zu erteilen. Denn das Gericht habe ihr auferlegt, durch organisatorische Maßnahmen dafür Sorge zu tragen, dass der Beigeladene zu 1.) seinen Dienst künftig weitgehend ohne persönliche Gefährdung versehen könne. In dem angefochtenen Urteil werde die Entscheidung zu Unrecht auf eine nach den §§ 36, 30 WaffG 1976 vorzunehmende Bedürfnisprüfung gestützt. Da es nicht um die Erteilung, sondern um die zweite Verlängerung eines bereits erteilten Waffenscheins gehe, habe das Gericht lediglich das Fortbestehen des Bedürfnisses prüfen dürfen. Das Gericht habe verkannt, dass der Beigeladene zu 1.) kein kommunaler Vollzugsbeamter sei; sein Aufgabenbereich umfasse vielmehr die Sozialbetreuung sowie Ermittlungen in Fällen mutmaßlicher Erschleichung von Sozialleistungen. Zu solchen Ermittlungen sei der Beigeladene zu 1.) gemäß §§ 20, 21 des Zehnten Buchs des Sozialgesetzbuchs - SGB X - nicht nur berechtigt, sondern verpflichtet.
[14]
Bei diesen Ermittlungen decke er zwangsläufig auch andere Straftaten auf. Bei Vorliegen konkreter Anhaltspunkte für das Vorliegen einer Straftat schalte er sofort die Polizei ein; er werde nicht in Konkurrenz zu den Strafverfolgungsbehörden tätig, sondern arbeite eng mit Polizei und Staatsanwaltschaft zusammen. Die Fälle, in denen der Beigeladene zu 1.) selbst als Ermittler tätig geworden sei, seien ausnahmslos solche des Sozialhilfebetruges gewesen. Andererseits handele es sich bei der Ermittlung eines Anfangsverdachts durch den „Sozialermittler“ und der Weiterführung der Ermittlungen durch Polizei und Staatsanwaltschaft um ein sehr gut funktionierendes System, das aus Sicht des Gesetzgebers nicht unerwünscht sei. Die Gefährdung des Beigeladenen zu 1.) resultiere in diesem Zusammenhang daraus, dass er im nachfolgenden Strafprozess als Zeuge aussagen müsse.
[15]
Die Beigeladene zu 2.) beantragt, unter Abänderung des Urteils des Verwaltungsgerichts Neustadt an der Weinstraße vom 29. Juli 2003 – 5 K 566/03.NW – die Klage abzuweisen.
[16]
Die Klägerin beantragt, die Berufung zurückzuweisen.
[17]
Sie tritt der Berufung unter Bezugnahme auf das angefochtene Urteil entgegen und führt ergänzend aus, entgegen der Ansicht der Beigeladenen zu 2.) erfordere die Verlängerung eines Waffenscheins eine umfassende Neuprüfung der für die Erteilung maßgeblichen Voraussetzungen. Eine Tätigkeit des Beigeladenen zu 1.) als „Sozialermittler“ könne ein waffenrechtliches Bedürfnis noch weniger begründen als seine Stellung als kommunaler Vollzugsbeamter, weil für derartige Ermittler keinerlei Schutzausrüstung gesetzlich vorgesehen sei.
[18]
Der Beklagte stellt keinen Antrag und schließt sich im Wesentlichen den Ausführungen der Beigeladenen zu 2.) zur Berufungsbegründung an.
[19]
Der Beigeladene zu 1.) stellt ebenfalls keinen Antrag.
[20]
Die weiteren Einzelheiten des Sach- und Streitstandes ergeben sich aus dem Inhalt der Gerichtsakten und aus den beigezogenen Verwaltungsvorgängen, die Gegenstand der mündlichen Verhandlung waren.

»ENDE DES DOKUMENTAUSZUGS«

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